Keithstraße 6 | 10787 Berlin
+49 30 219961826

Senkrechtstarter Snapchat – wann gelingt der App endlich der Durchbruch in Deutschland?

Dass die USA gerne mal den Vorreiter für digitale Trends geben, ist hinreichend bekannt. Snapchat ist das jüngste Beispiel dafür: Während die App in Deutschland bislang kaum Fuß fassen konnte, ist sie in den USA bereits weitverbreitet. Gerade bei Jugendlichen erfreut sich die App dort großer Beliebtheit. Social-Media Stars wie Jerome Jarre erreichen via Snapchat aktuell 7-stellige Aufrufzahlen. Doch was unterscheidet die App von anderen Social-Media Plattformen?

Alles auf Snapchat?!

Bei Instagram postet man zumeist im Nachhinein, beim Loop-basierten Vine sind besonders Comedy-Inhalte beliebt und Snapchat ist der ungefilterte Blick durch das Schlüsselloch direkt auf den Alltag des postenden Users. Es ist mehr als nur eine Social-Media App, wo User Bilder und Videos hochladen können. Es geht darum, dem User authentisches Storytelling zu ermöglichen. Um dies zu illustrieren, hat Jarre in Kooperation mit dem amerikanischen YouTuber Casey Neistat ein sehenswertes Video mit dem Titel „Snapchat murders Facebook“ gedreht. In dem Clip vereinbaren die beiden via Snapchat u.a. ein spontanes Treffen mit ihren Fans am Union Square in New York, um sie nach ihrem Nutzungsverhalten von sozialen Netzwerken zu befragen. Snapchat ist sozusagen das Gegenstück zu Instagram – ungefiltert, ungeschönt, Bewegtbilder und die oberste Prämisse dabei: einfach raus damit! Wo die Ü30-Generation noch jeden ihrer Posts auf Facebook oder Instagram im Vorfeld kritisch reflektiert, hält der Snapchatter einfach munter drauf.

Wie reichweitenstark die App sein kann, zeigt die Kategorie „Our Story“, in der die Snapchat Betreiber gebündelte User-Snaps zu Events, wie dem St. Patrick’s Day oder dem Unabhängigkeitstag als „Gesamt-Story“ für die komplette Usergemeinde veröffentlichen. Dabei wurden Abrufzahlen im zweistelligen Millionenbereich erzielt – Unique User Views wohlgemerkt. Das wird google, Facebook sowie die klassischen TV-Medien kaum erfreuen. Zum Vergleich: Im Herbst 2014 sahen durchschnittlich 21 Millionen Menschen pro Woche den NBC Broadcast „Sunday Night Football“. Das Staffelfinale von „The Walking Dead“ erreichte im selben Zeitraum 14,8 Millionen Zuschauer in den Staaten. Dagegen verzeichnete die Snap-Story zur „Snowpocalpyse“ binnen 24 Stunden sage und schreibe 24,7 Millionen Zuschauer. Kaum verwunderlich also, dass Marketer in den USA schon vor geraumer Zeit auf Snapchat aufmerksam geworden sind. Dabei spielt eine Eigenheit der App eine besondere Rolle: Snaps werden nur dann abgespielt, wenn der User den Finger auf dem App-Screen hat. Entfernt er den Finger, so stoppt die Wiedergabe. Dementsprechend hoch ist die Aufmerksamkeit der Rezipienten. Snapchat-Macher Evan Spiegel lässt sich das Werben über seine App allerdings auch fürstlich bezahlen: Laut adweek.com müssen Werbetreibende 750.000$ pro Tag zahlen, damit ihre Werbung an alle Snapchat User ausgeliefert wird. Große Marken stehen schon Schlange, egal ob McDonalds, P&G oder Samsung. Das entspricht auch genau der Art von Unternehmen, die Spiegel ausschließlich ködern will – Top-Brands. Dabei sollen insbesondere die neuen 3V Advertisings (Vertical Video Views) helfen. Der Vorteil jenes Videoformates liegt darin, dass die wenigsten User den sogenannten „Landscape Mode“ beim Videokonsum nutzen, sondern sich die Clips lieber vertikal über den ganzen Screen ansehen. An kreativen Werbeformen mangelt es jedenfalls nicht. Das beweist Spiegel einmal mehr mit der Einführung der sogenannten „Sponsored Geofilters“. Hierbei handelt es sich um Logos und Sticker, die in Abhängigkeit vom momentanen Standort des Users den Snaps als witzige Aufwertung hinzugefügt werden können. Isst der User gerade bei McDonalds zu Mittag, so kann er etwa goldgelbe French Fries im nächsten Snap regnen lassen. Kooperationen mit Werbegrößen, wie WPP und der Daily Mail sollten Werbetreibende hellhörig werden lassen. Die Werbevermarktung steht jedoch noch am Anfang, wie CEO Spiegel offen zugibt: “We release one or two percent of the products that we’re working on.”

Auch in Deutschland gibt es ein paar prominente „Early Adoptors“, die zuweilen erste Erfolge mit der App feiern konnten, wie etwa Lena Meyer-Landruth oder YouTuber wie DagiBee oder Simon Desue. Es scheint also nur noch eine Frage der Zeit, bis die App auch hierzulande durchstartet und mit ihr die sich neubietenden Werbeformen.

Quelle: OnlineMarketingRockstars.de

Verwandte Beiträge