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Finanzgezwitscher.

Mittlerweile verbringen 500 Millionen Nutzer monatlich 500 Milliarden Minuten auf facebook während pro Minute 24 Stunden Videomaterial auf YouTube hochgeladen werden. Hierzu stellt eine kanadische Werbeagentur die Frage: „ What the f*** is social media NOW?“ Antwort: Nichts anderes als gestern oder vor einem Jahr. Nur kann man es sich bei der Flut an Inhalten und dem enormen Umfang an beisteuernden Individuen kaum noch leisten nicht im Web2.0 aktiv zu sein. Es wäre nicht wünschenswert das Unternehmen (oder die Marke) zu sein auf welches leicht schmunzelnd mit dem Finger gezeigt wird, weil es sich den Zeitgeistveränderungen nicht schnell genug anpassen konnte.

Eine Marke scheint sich nur noch dann etablieren zu können, wenn Kontakt und Kommunikation mit der gewünschten Zuhörerschaft stattfindet. Hierbei aber soziale Medien als Allheilmittel zu betrachten ist bedenklich. Denn unzureichendes Testen von neuen Verfahren und Möglichkeiten und damit verbundenes Verharren in gestrigen Denkstrukturen ist ähnlich unbrauchbar wie einem digitalen Aktionismus zu verfallen, bei welchem traditionelle Ansätze fälschlicherweise verworfen werden.

Ein gutes Beispiel stellen klassische Finanzwebsites mit Börsentickern und Kursdaten dar. Sie haben den Vorteil maximale Geschwindigkeit und minimale Redundanz zu liefern und sind Twitter dabei klar überlegen. Obwohl die Zuhörerschaft in Echtzeit mit der gewünschten Information versorgt wird, beginnt das Potential der sozialen Medien an der Stelle, wo die Möglichkeiten der klassischen Finanzkommunikation enden.

Es geht um die soziale Verarbeitung von Börsenmeldungen, von sachlichen Fakten und Daten. Es geht um Interpretationen und Statements, ferner um Aufarbeitung und aktive Hilfestellung zur Meinungsbildung. Zum Beispiel auf Plattformen wie ‚sharewise‘ wo User die Qualität von Aktientipps bewerten und Vertrauen zu „Beratern“ aufbauen, die ihre Reputation durch aktives, wiederholtes „Richtigliegen“ erst erarbeiten mussten. Und zwar ohne den Anspruch auf Unabhängigkeit. User vertrauen also gezielt auf subjektiv bewertete Information. Netzwerke wie facebook wiederum bieten die Chance, eine emotionale Bindung zu Kunden, Partnern und Interessenten aufzubauen, die über einen rein sachlichen Transaktionscharakter hinausgeht.

Trotz der eindeutigen Diskrepanz zwischen zwei verschiedenen Medienwelten, sollte genau hier eine intelligente Ergänzung anstelle von paralleler Ignoranz stattfinden. Dann sehen wir vielleicht auch bald eine Art „Old Spice Guy“, der dem DAX nicht seine Glaubwürdigkeit stiehlt sondern ihm ein Gesicht schenkt.

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